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Heimat neu denken. Erkenntnisse 04

Über die Schnittstelle zwischen dem Lokalen und dem Globalen denkt auch der aus Singapur stammende und in Berlin sowie Sachsen-Anhalt lebende Choreograf Ming Poon nach. Er hat sich einem noch verhältnismäßig neuen Konzept, der „Translocality“, verschrieben. Allerdings sollte „Translocality“ nicht als Idee oder Konzept verstanden werden, zumindest nicht dauerhaft. Für ihn ist es eher eine Lebens- und Körperpraxis, die es Menschen im Allgemeinen und Künstler:innen im Besonderen ermöglicht, ihr Verhältnis zu den Orten, von denen sie kommen und an denen sie arbeiten, anders zu definieren und zugleich für ihre Kunst zu nutzen. „Translocality“ heißt für Ming Poon, dass jemand der/die sein/ihr Heimatland hat und in einem anderen Land lebt arbeitet, keinesfalls die Wurzeln, die er/sie hat, ausreisen muss. Auch in der Fremde bleibt er/sie mit der Heimat verwurzelt und schlägt zugleich neue Wurzeln. Diese Wurzeln, die einen Menschen mit den Eigenarten und Besonderheiten eines Landes oder auch einer Region verbinden, können nebeneinander bestehen und zugleich in einen Austausch treten, gemeinsam bringen sie Neues hervor.

Diese Vorstellung einer Verwurzelung an unterschiedlichsten Orten bringt ein anderes Denken über das eigene Leben und die Bedeutung von Herkunft und Nationalität mit sich. Wer „Translocality“ konsequent lebt und in seine Arbeit einfließen lässt, wird mehr als nur räumliche Grenzen auflösen. Ming Poons Idee kann durchaus zu einem anderen Verständnis der Welt und des menschlichen Zusammenlebens führen, einem Verständnis, das Platz hat für Eigenheiten und Besonderheiten, für kulturelle Differenzen und individuelle Prägungen. Insofern eröffnet sich hier auch für flausen+ und alle Künstler:innen ein neues Forschungsfeld. Ein Forschungsfeld, das im Rahmen des Kongresses erst einmal umrissen wurde und nun genauer erkundet werden kann.

Die Kongress-Erkenntnisse der kritik-gestalten hat Sascha Westphal aufgeschrieben.