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Stimmen des Kongresses

Wir Kritik-Gestalten sind während der 2 Tage Kongress auf Stimmenfang gegangen ….

Sign Dance Collective: “What kind of changes do we need in our artistic practice to break down barriers, to include everyone?”

Sign Dance Collective

Positionen zur künstlerischen Forschung

Melanie Hinz:
(Professorin an der Universität für Künste Berlin, Fräulein Wunder AG)

“Ich glaube die aktuelle Zeit stellt uns nochmal vor die Frage: Welche Formen von Begegnung gehen wir ein? Also suchen wir weiter nach neuen Wegen zwischen dem Wunsch live zu sein und den Möglichkeiten des Digitalen. 
In den Möglichkeiten der Dokumentation (von künstlerischer Forschung) liegt der Mangel. Die Frage ist ja: Was will die freie Szene aus der künstlerischen Forschung herausholen? Ist es der Freiraum des prozessualen Arbeitens, das Scheitern-dürfen, das Neu-anfangen. 
„Die Kunst der Krise“ – ich hab mich da gar nicht so angegriffen gefühlt. So findet Freies Theater doch immer statt: Ich muss immer meine Rahmenbedingungen checken und rausfinden, wen ich wie erreichen kann. Ich kreiere mir die Genres und Phänomene, die gerade jetzt möglich sind.
Zur künstlerischen Forschung gehört auch eine Form des Community Buildings. Am Anfang steht eine Forschungsfrage und dann überlegen wir uns  mit welcher Community wir diese Frage bearbeiten können. Der erste Anker ist immer die Vernetzung.
„Wir“ sind nicht nur wir Performer:innen –  wir setzten auch andere Experten des Alltags auf der Bühne ein.
Künstlerische Forschung ist ein Containerschiff unter dem andere Begriffe kursieren: szenische Forschung, theatralische Forschung. Ich selbst benutze gern den Begriff Forschendes Theater. Wir positionieren uns als Forschende.
Die Rahmung des Modus von künstlerischer Forschung muss sichtbar gemacht werden. Also das Bewusstsein darüber, dass man gemeinsam im Untersuchungsmodus ist. Wir sind ja immer in Rahmungen unterwegs. Und hier geht’s eben um sinnliche Vorgänge: Was entsteht dadurch, dass wir etwas durch unseren Körper erschließen und in die Reflexion dazu gehen?
Ich mag auch den Begriff undisziplinierte Forschung. 
Mein Kreis erweitert sich in andere Wissens- und Kunstfelder.  
Es wichtig die Gesellschaft mitzudenken und zu prägen. Raum zu geben für prozessuales Arbeiten.

Barbara Kölling
(Regisseurin, auch Mitbegründerin des Helios Theater Hamm)


Der Begriff der künstlerischen Forschung ist im Helios Theater immanent. Weil alle Stücke Stückentwicklungen sind – und daher immer forschende Gedanken vorausgehen.
Um wirklich weit zu kommen müssen wir spartenübergreifend arbeiten. Und Experten aus anderen Bereichen dazu bitten.
Forschungen im Theater für die Allerkleinsten sind vornehmlich Materialuntersuchungen. Und aus der Untersuchung wird dann die Performance. Die Arbeit hat Laborcharakter. 
Es geht auch darum wegzukommen von dem deutschen Theaterkanon, davon Stücke nach Text zu spielen. Ich weiß, dass das für Deutschland ein ziemlich weiter Weg war.
In dem Moment in dem der kulturwissenschaftlicher Begriff hinzukam, hat sich künstlerische Forschung etabliert. Alles ist sehr viel weiter geworden. 
Wie sehr ist man, als Theatermensch, dem Hinarbeiten auf den einen Punkt der Aufführung fixiert? Und was passiert, wenn sich das auflöst? Da bin ich sehr gespannt.

Julian Klein
(Komponist und Regisseur, unterrichtet Künstlerische Forschung)

Die Wildnis ist das Feld des Unwissens, des Unerforschten.Forschung heißt, dass ich – dass wir alle gemeinsam – etwas nicht wissen und uns auf die Suche begeben.
Inter-, Trans-, Anti- und Undisziplinär: Breite Kompetenzen werden für den Erkenntnisgewinn benötigt.
Welche Formate, welche Freiräume und Ressourcen benötigt werden, misst sich immer daran: Was will ich denn rausfinden?
Sogar im Grundgesetz ist es geschützt, dass die Gesellschaft ihren Wissensdrang ausleben kann.
Das Nichtwissen ist immer immer größer als das Wissen
Künstlerische Forschung findet immer da statt, wo der künstlerischer Wahrnehmungsmodus für den Erkenntnisgewinn eingesetzt wird.
Das Paradox des Digitalen: Eine merkwürdige zweidimensionale Distanz wird geschaffen und zeitgleich die Möglichkeit von Nähe und Begegnung versprochen.
Die Begegnungsformen von Menschen wirken natürlich auch ins Theater hinein. Das Digitale ist ein wichtiger Raum, um dort performativ tätig zu werden. 
Wenn man den performativen Akt der öffentlichen Rede etwas ernster genommen hätte, dann hätten wir das alles (die Pandemie) vielleicht mit weniger beschimpfen durchgestanden.
Ich kenne viele Wissenschaftler in Deutschland, die sehr wohl wissen, warum sie für das Vorankommen der eigenen Forschung mit Künstlern arbeiten – und das auch sehr erfolgreich. 
Sinnliche Wissensformen kann man nicht dokumentieren, sondern nur teilen. Das Wissen findet nur in der eigenen Wahrnehmung statt. Das kann man schlecht durch Dokumentationsformate weitergeben. Man kann nur zur Teilnahme einladen. 


Wohin geht die Kulturpolitik?

Janina Benduski (Programmdirektorin LAFT Berlin)


In der Frage, wie prozessuales Arbeiten kulturpolitisch gefördert werden kann, geht es weniger um das überdimensioniert verwendete „Müssen“ als um ein „Wollen“!

Janina Benduski