Logbuch #3 – Tag 26

Tag 26  – 18.4.2012

Über Spiralförmige Forschungswege und die Müdigkeit der Gehirnwindungen
Nach ein paar organisatorischen Dingen, wollen wir uns unserem neuen Konzept widmen. Das heißt unseren inhaltlichen Fokus und die Formatänderungen zusammen zu bringen. Klarer werden. Überprüfen.

Gesetzt ist das Thema: das eigene Leben zwischen Prozess und Effektivität. Immer ans Morgen denken oder stärker im Jetzt leben. Die Entwicklung von Ende her denken, alles muss Sinn machen oder Umwege und Sinnpausen genauso zum Leben dazugehörig empfinden. Ein Dilemma.

Gesetzt ist das Format: eine szenische, interaktive Installation – Stichwort mystischer Jahrmarkt.

Jeder begibt sich 1,5 Stunden in Einzelarbeit. Aufgabe ist es das Konzept etwas stärker zusammen zu bringen und konkrete Räume zu erdenken. Dabei kreuze ich sehr schnell viele Gedanken von früher. Eva auch, sagt sie. Wir drehen uns im Kreis. Tun wir das?

Ich sage, unsere Forschung ist mehr eine Spirale. Es kommt einen immer vor, als wäre man hier schonmal gewesen, aber bei genauerem hinschauen, sieht es nur ähnlich aus, ist aber anders.

Die Frage ist nur, bewegen wir uns auf der Spirale von außen nach innen oder doch etwa von innen nach außen?

Zu Beginn notiere ich nochmal ungeordnet Begriffe, die mir von Gestern im Kopf sind, die wichtig sind. Die sich im neuen Entwurf wieder finden sollen.

-Installation – Erfahrungsräume – Kompetenzen von Kindern und Eltern – eigene Zukunft zwischen Jetzt und Morgen – Zeit nutzen – Zeit verschwenden – Abhängigkeiten und Kommunikation – Haltungsdruck – Vertrag – Entscheidungen treffen – etwas verpassen – Expedition – Metaerzählung

In meinem Entwurf sind am Ende folgende Punkte wichtig: es gibt die Setzung, dass die Performance beendet ist, wenn kein Wasser in der Wasseruhr ist. Aber es gibt sowohl unendlich viel Wasser zum nachfüllen, als auch Möglichkeiten immer wieder Wasser abzulassen. Das heißt die Teilnehmer entscheiden selbst, wie lange das ganze dauert. Evt. wird ein Konflikt zwischen einzelnen Teilnehmern oder der Gruppe entstehen.

-Kinder und Erwachsene machen eine gemeinsame Expedition (werden dabei zwar auch getrennt und vereinzelt, haben aber ein gemeinsames Ziel)

-Das Ziel erzählt sich nicht sofort, sondern es ist nach und nach zu entdecken. Sie werden von Reiseleitern, Figuren und dem Kioskman so geführt, dass sie aber immer das Gefühl haben eine Aufgabe zu haben. Schritt für Schritt etwas zu folgen.

-Aufgabe ist es einen Vertrag zu finden, der die Zukunft der Kindheit rettet. Dies weiß man aber nicht von Anfang an. Erst zum Ende hin hört man das Szenario welches von diesem Vertrag spricht. Diesen haben sie im Laufe der Performance geschrieben. Am Ende wird ein dadaistischer Vertragstext verlesen.

-Raum Idee: Schule. Nur die Erwachsenen spielen. Sie rätseln das bekannt Rätsel, nur auf der Rückseite steht eine Frage: Was fehlt einem Kind, das mit 12 schon arbeiten muss? Die Antwort muss man am Kiosk abgeben. Und ist der Titel des Vertrags.

Matze hat vieles erhalten und leicht umgedeutet, was wir schon hatten. Vieles passt mit meinem Konzept auch zusammen. Er hat weiterhin die Pässe – die Zeitmaschine ist nur noch eine Schleuse – es gibt weiterhin die Wasseruhr – und es werden zu beginn Regeln verlesen. Diese machen nun klar, dass man sich zwischen den Räumen frei bewegen kann – selber entscheiden muss, wie lange man wo bleibt – es aber auch Räume gibt, wo nur Erwachsene oder nur Kinder rein dürfen. Wichtig ist ihm eine Gleichzeitigkeit von Beschäftigungen, so dass andere Handlungen, Sounds und Fragen zu eigenen Beschäftigung assoziiert werden.

Schwierig ist hier, dass die Fragen des Kioskman noch sehr direkt und klar sind. Um was es geht, ist direkt klar.

Auch Eva hat einen ähnlichen Aufbau. Bei ihr ist entscheident, dass Kinder und Erwachsene mit einer Art Forschungsfrage auf den Jahrmarkt der Möglichkeiten kommen. Dass diese die Teilnehmer etwas durch die Räume leitet und sie zu einer bestimmten Lesart des Erlebten bringt.

Was genau das sein kann, ohne dass es so eine Rätselaufgabe ist, ist noch nicht ganz klar…evt. Finde deine Zukunft?

Außerdem entwirft Eva eine Figur für die Küche. Eine Frau sitzt zwischen den zeiteinsparenden Küchengeräten und weint, weil sie nicht weiß was sie mit der gewonnen Zeit machen soll. Als Teilnehmer kann man sich mit ihr unterhalten, ihr Vorschläge machen…das Szenario soll ohne bestimmtes Ziel funktionieren. Stärker eine Stimmung vermitteln. Wir fragen uns, was es braucht, dass das im Gesamtkontext funktioniert.

Karo hat währenddessen etwas ganz anderes überlegt. Sie hat sich ein noch konkreteres Thema gesucht und daraufhin alles umgedacht. In ihrer Performance geht es nur um Effektivität. Ein Büro für Effektivität. Hier geht es also um besser, schneller, mehr. Jede Station verfolgt dieses Ziel. Das heißt schon zu Beginn können Eltern ihren Kindern für 3 Euro mehr einen Vorteil kaufen und auch später kann mit realem Geld gehandelt werden. Es geht hier immer darum, mit dem Versprechen zu arbeiten, es würde für später gut sein. Also eine starke Überspitzung dessen, was wir in unserem Leben beobachten.

Uns gefällt die Idee, wir meinen aber, dass sie doch als ein Aspekt in den Rest integriert werden kann. Und als alleinstehendes zu viel verloren geht.

Trotzdem ist der Versuch radikal zu vereinfachen und zu reduzieren richtig und wichtig.

Wir machen lange Pause und eine lange Abendprobe. Die Gefühle wie sehr wir gerade das richtige tun und weiterkommen, sind unterschiedlich.

Eigentlich wollten wir am Abend mit den Ideen eine Impro machen. Einfach man losspielen, ein Gefühl zur Idee entwickeln. Aber wieder scheitern wir daran, dass wir kein Material haben, und nicht konkret genug ist.

Wir wollen also die Räume klarer bekommen. Um was geht es denn in den Räumen, was ist das überliegende Konstrukt, was verbindet das ganze? Das Thema: wir wollen, dass man das Gefühl hat jeder Raum ergibt sich zwingend aus dem Thema, nichts kann weggelassen werden oder hinzukommen.

Dazu sammeln wir nun Unterbegriffe zu unserem Thema: Zwischen Entwicklung und Ergebnis.

Dazu kommen wir auf Begriffe wie: Müßiggang, Langeweile, Leerlauf, Sackgassen und Leistungsdruck, Drill, Zielstrebigkeit. Zu diesen Begriffen wollen wir einzelne Räume gestalten und meinen so, das Gesamtthema erfahrbar zu machen.

Immer wieder verliert Matze dabei komplett den Anschluss. Er weiß nicht mehr was wir suchen und was das mit heut morgen zu tun hat. Es ist auch irgendwie wie verhext. Gerade hat mans noch und schon verschwimmt es wieder.

Wir kommen auf die Metaerzählung. Braucht es doch sowas? Wir denken an den Hinweis: Einen Gedanken statt eine Geschichte. Das könnte ja funktionieren: nur so ein kleiner Gedanke, der wie eine Brille funktioniert durch die man alles betrachtet. Die uns aber auch wieder hilft, die Räume zusammenzubringen.

Dabei fallen Ideen wie: die Zuschauer sind all bereits tot und reisen in die Vergangenheit oder ins Zwischenreich. Sie reisen ins eigene Gehirn um ihre Zukunft dort zu suchen…

Alles gar nicht ganz doof, aber unsere Köpfe brummen. Weiter denken geht nicht und praktisch ist gerade auch nichts richtig zu tun. Also hören wir ein Feature: über Nachrichten an die Zukunft. Alte und Junge Menschen, bekannte und unbekannte haben Nachrichten an das Jahr 2099 aufgenommen. Das klingt alles sehr spannend, man bekommt wieder neue Inspiration, aber auch weitere Möglichkeiten raus aus der Spirale?

Wir beschließen mit den gesammelten Fragen und Ansätzen Schluss zu machen. Wir alle haben Hunger und gehen spontan zum Griechen Essen. Das Essen ist überraschend gut und in entspannter Atmosphäre verlieren wir nicht die Hoffnung auf die Erleuchtung von oben.