Logbuch #3 – Tag 31

Tag 31 – 23.4.2012
Die Forschung ist unser Inhalt und alles geht plötzlich wie von selbst

Wir kommen um 10 Uhr im Theater an und reisen in unsere eigene Vergangenheit. Denn gestern war die Produktion „Avanti“ im Theater Wrede und hat ohne uns unser Bühnenbild wieder aufgebaut. Leider aber nicht so, wie wir es am Sonntag übergeben haben, sondern so wie es auf Fotos von vor 2 Wochen zu sehen war. Plötzlich stehen da wieder die Bierbänke, die Stühle sind umgedreht auf der Tribüne, eine Leinwand steht oben am Geländer. Vom „Kiosk“ und de Bretterwand nichts zu sehen…Oh man

Und jetzt alles wieder aufbauen? Aber wie genau?

Unsere Idee von gestern scheint die Lösung zu sein. Gerade noch dachten wir, dass weiter bauen keinen Sinn macht, weil uns ganz einfach der Inhalt fehlt. Es führt zu nix, man könnte tausend Dinge machen…alles schön und gut…aber wo ist der rote Faden? Jetzt aber haben wir unseren Inhalt: unsere Forschung. Direkt sprudeln die Ideen, wie man diesen Inhalt in verschiedenen Räumen darstellen kann. Das ist ein befreiendes Gefühl, die Richtung zu wissen! Bzw. das Ziel von allem.

Doch bevor wir wieder froh drauf los basteln, müssen wir uns noch auf unsere verschiedenen Forschungsaspekte einigen, die wir darstellen wollen. Und welches Ansatz zu welchem Raum passt.

Das ist garnicht so einfach. Wir wollen ja bei aller Vielfalt dennoch den Zuschauern die Möglichkeit bieten, zu verstehen, was wir versucht haben. Der Zusammenhang zwischen den „Arbeitsständen“ sollte erkennbar und nachvollziehbar sein. Da eine Logik hineinzubekommen ist nicht einfach. Matze nervt unsere Gerade, er will anfangen zu bauen, gerade auch weil bald die Techniker kommen und noch einige andere Termine anstehen.

Aber gut durchdacht ist halb gebaut, sage ich und wir planen noch zu Ende.

Dann steht fest:

Kiosk/Tribühne – Das Leitsystem Wasseruhr und Kioskman

Kassettenraum – Kommunikation zwischen Kindern und Erwachsenen

Saba-Raum – Vertragskonzepte

Pappcity – Erfahrungsraum (Kindheit)

Schule – Rätsel (Erziehung innerhalb verschiedener Zeiten)

Küche – Game, Wettbewerb

Schleuse – Utopien

Dann teilen wir uns auf die Räume auf und legen los. Aufbau bzw. Umbau.

Um 11 Uhr kommen die Techniker vorbei und wollen Leuchten. Da wir nur wenig Veränderungen haben, beschließen sie dies am Donnerstag selbst zu tun und sind dann auch schnell wieder weg.

Wir also bauen weiter: Karo durchsucht die Tagebücher auf Hinweise über unsere verschiedenen Vertragskonzepte, um sie für den Saba-Raum zu verwenden. Eva macht verschiedene Besorgungen in der Stadt, sucht Lieder für die 50er Küche und schreibt einen Moderationstext. Matze baut die Schleuse wieder auf und schneidet einen Infofilm über unsere Utopien und ich baue Pappcity wieder auf.

Dann ist Mittagspause. Wir gehen zum Suppeneck und treffen dort Jan Deck. Wir sprechen ein bisschen über Inszenierungen bei Pazz, dann darüber wie wir nun an unsere Produktion herangehen. Was als erstes entschieden werden muss, Zeit, Konzept, Ort … Wir sprechen über mögliche Produktionshäuser und Gastspielmöglichkeiten.

Dann geht’s wieder zurück ins Theater. Wir stellen Jan unsere Idee für das Making Of vor. Gehen durch die einzelnen Räume und beschreiben, was dort passieren soll. Er findet unseren Ansatz sehr gut und hat den Eindruck, dass die Vermischung von praktischer Umsetzung von Inszenierungsideen zusammen mit der Reflexion des Prozesses sehr gut funktionieren kann.

 

Während die anderen weiter bauen, bespreche ich mit Jan was im Inneren von Pappcity passieren könnte. Wir kommen auf Kindheitskartons aus verschiedenen Jahrzehnten: Darin befindet sich ein Geschmack, Gefühl, Geräusch, usw.

Nachdem Jan weg ist und Karo und Matze zu „The Quiet Volume“ gefahren sind, verändere ich die Idee: nur eine sinnlich erlebbare Kindheit wird es geben. Nicht zu einer bestimmten Zeit. Ich suche also ein Kinderlied raus, baue ein Dosentelefon, kaufe Brausepulver,…und schon ist es 17 Uhr und Eva und Ich haben unseren Termin bei „The Quiet Volume“.

Danach arbeiten wir zu viert weiter an unseren Räumen und stellen uns am Ende den Stand der Dinge vor. Um 21.30 Uhr fahren wir dann zum Stück „Lachen“ und wir lachen tatsächlich alle sehr herzlich.