Logbuch #8 – Woche 2

MO, 13. 1. 2014
Heute beschäftigen wir uns mit Tierdokumentationen. Nach ein wenig Recherchezeit finden wir  vier Filme, die uns für unsere Zwecke interessant erscheinen: Affen – Heimliche Genies und Können Tiere denken? befassen sich mit den kognitiven Fähigkeiten unserer tierischen Verwandten, in Operation Dolittle geht es um Kommunikationsformen von Tieren, ein weiterer Film befasst sich mit Zoophilie, also romantischen Liebesbeziehungen zu Tieren. Wir teilen uns auf um das Material zu sichten und teilen anschließend unsere Beobachtungen.

Nachmittags befassen wir uns damit, kurze Sequenzen aus Tierdokumentationen auf der Bühne zu imitieren. Stine bearbeitet eine Aufnahme von einem frei lebenden, Nestbauenden Gürteltier, Katharina nimmt sich Lukas zum Vorbild und Alice befasst sich mit dem Aggressionsverhalten eines Schimpansen im Zoo. Zunächst wählen wir dabei den Weg der möglichst genauen Nachahmung, damit wir anschließend überlegen können, was uns an den Bewegungsqualitäten produktiv für unser Thema erscheint und was man weglassen oder abstrahieren kann. Über den Nachmittag hinweg probieren wir mehrere Versionen aus und skizzieren kleine Sequenzen, die wir erstmal in einem eher rohen Zustand belassen und später im konkreten Bühnenzusammenhang weiter bearbeiten wollen.

DI, 14.1.2014 Vormittag
Nach dem Aufwärmtraining widmen wir uns zunächst der Theorie. Da wir im Rahmen unserer Tierbetrachtungen auch über Formen der Bühnenpräsenz nachdenken, veranstalten wir zunächst eine Sichtung und Kategorisierung bereits bekannter Performerhaltungen und versuchen dabei auch festzustellen, inwiefern im Rahmen dieser Haltungen ein Verhältnis zum Publikum hergestellt wird, wie der Performer sich durch seine Haltung zwischen Verbindlichkeit und Fremdheit bewegt, inwieweit sein Auftreten mit Machtverhältnissen spielt, die Teilhabe des Zuschauers am Geschehen ermöglicht, eingeschränkt oder nur vorgetäuscht wird. Wir erstellen eine Liste von Performertypen mit einer Kurzbeschreibung von deren hervorstechendsten Verhaltensweisen und Wirkungen.

Im Praxisteil unseres Tages improvisieren wir zunächst Auftritte.  Kurz probieren wir noch den Wechsel zwischen verschiedenen Performerhaltungen aus:
Einer Gesprächsrunde und einem Showing unseres Videosettings und einer Einführung in den Umgang mit Überwachungskameras folgt die gemeinsame Sichtung des Films: „Max, mon Amour“, der sich durch seine Thematisierung der Verletzung Gesellschaftlicher und zwischen Spezies herrschender Grenzen als für unser Thema interessant entpuppt.

MI, 15.01.2014
Heute haben wir weitere Soundexperimente unternommen. Dazu haben wir zunächst weitere parasprachliche Äußerungen aufgenommen, wie bereits in der vorangegangenen Woche. Diesmal haben wir die Äußerungen jedoch nicht bei sportlicher Betätigung, sondern bei einer Gesprächsrunde mitgeschnitten und anschließend isoliert. Die Aufnahmen wurden mittels zweier OKM-Mikrofone erstellt, die zwei Personen angeklebt wurden, so dass möglichst nahe Aufnahmen möglich waren. Das so entstandene parasprachliche Material wurde anschließend vom Sprachmaterial getrennt und aneinander montiert. Die so entstandene Tonspur hat eine Gesamtlänge von ca. 3 ½ Minuten. Folgende Beobachtungen wurden gemacht:

– Das bereits vorliegende Soundmaterial wurde um Lachen, Stöhnen, Husten, Räuspern, Mmh-Laute und Laute, die sich im Grenzbereich zwischen Sprache und Geräusch befinden, ergänzt

– Das Material entfaltet in der simplen, konsekutiven Montage eine eigentümliche Wirkung, da es einerseits jeglicher semantischen Qualität durch das herausschneiden von Worten beraubt wurde, gleichzeitig aber dennoch eine gewissen dramatische Qualität erhalten bleibt. Diese entsteht vor allem durch den permanent präsenten Eindruck, dass dem Zuhörer etwas zu entgehen scheint, was sich gleich auflösen wird (was jedoch nicht geschieht)

Folgende weitere Versuche sind mit dem nun vorliegenden Material für die nächsten Tage geplant:

Das Material soll in der vorliegenden Form für szenische Anordnungen verwendet werden.

Mögliche Szenische Anordnungen:

– Drei Performer betreten die Bühne und positionieren sich hinter drei Mikrofonstativen. Das Material entsprechend der räumlichen Anordnung bei der Aufnahme in den Raum gespielt, sodass sich die Laute der verschiedenen Personen den Performern zuordnen lassen. Diese agieren jedoch nicht, sondern stellen sich lediglich als Projektionsflächen zur Verfügung.

– Das Material wird in eine neue Anordnung gebraucht und mittels Effektfiltern mit den Lauten von Hund Lukas verschnitten, die noch gemacht werden müssen. Ziel ist eine akustische Verschmelzung der beiden unterschiedlichen Materialien, die den Ursprung nicht verschleiert, aber eine klare Zuordnung zu den beiden unterschiedlichen Quellen dennoch unmöglich macht

– Das Material wird über die Affenfelsen-Szene gelegt und als Soundscape verwendet

DO, 16.1.2014 Vormittag.
THEORIE
Wir sammeln im Gespräch, was gestern in den Einzelrecherchen aufgetaucht ist – Informationen zu bestehenden Forschungsfeldern, oder ganz neue Interessen. Dabei stellt sich heraus, dass alle vertieften oder neuen Felder mehr oder weniger direkt an unser gemeinsames Interesse am „Mischwesen“ anknüpfen, also an eine Bühnenpräsenz, die nicht Tiere erforscht, zitiert, sondern die Mensch und Tier gleichzeitig erscheinen lässt.

-Hybride in der Mode.
-Das Mischwesen in der Menschheitsgeschichte: Das Bindeglied zw. Mensch u. Vorfahr Affe
-Mischwesen bringen bestehende gesellschaftl. Kategorien durcheinander und entziehen sich selbst diesen Kategorien
-Menschsein durch Tiersein: Die Notwendigkeit, das Animalische anzuerkennen

Nachmittag.
PRAXIS
„Den Affen im Aufbaumodus verstecken“: Bei einer einfachen Improvisation finden wir einen  interessanten Handlungsmodus, in dem innerhalb menschlich-alltäglicher Handlungen das Tier im Menschen aufscheint. Inspiration dafür waren Affen aus zwei verschiedenen Naturdokumentationsfilmen. Uns fiel auf, dass Affen einen anderen Ausdruck von Konzentration und Interesse haben, so dass sie bei komplexen Aufgaben oder Zärtlichkeitsbekundungen oft noch gelangweilt, zerstreut oder verträumt wirken. Ihr Handeln wird dadurch weniger vorhersehbar.

FR, 17.1.2014
Heute ist Freitag und weil heute Freitag ist, gibt es kein Tagebuch von uns sondern einen kleinen Wochenbericht aus einer anderen Perspektive: der von Ricarda, die ihr Schulpraktikum hier im Theater macht und uns die Woche über begleitet hat:

Zu Beginn der Woche wurde mit Büchern und Filmen, in diesem Fall Tierdokus und Büchern über die Tierphilosophie recherchiert. Daraus entstanden dann kleine Szenen, in denen Tiere imitiert wurden, welche sehr lustig waren. Diese Szenen sollten dann noch mit Musik unterstrichen werden, was ich sehr interessant finde. Das liegt daran, dass je nachdem, wie man die Musik einsetzt eine andere Wirkung auf die Szene ausgeübt wird.

Dienstag gab es eine Diskussion über die Performance auf der Bühne und welche Art gerade angebracht ist. Ich finde darüber zu reden eine gute Idee, da ich alleine nicht darauf gekommen wäre und selbst wenn, mir auch nicht so viel eingefallen wäre.

Mittwoch war mehr ein Planungs- und Schreibtag, der meiner Meinung nach trotzdem nicht langweilig war. Es wurde z.B. ein Pressetext geschrieben und bis Anfang nächster Woche weitergeplant. Am Ende des Tages gingen dann die Recherchen weiter, so dass es am nächsten Tag gleich losgehen konnte.

Donnerstag haben sich dann alle nochmal kurz in ihre Ergebnisse vom Vortag reingelesen und diese dann zusammengetragen. Später wurden auch noch ein paar Ideen ausprobiert und E-Mails geschrieben. Täglich wurde auch Yoga gemacht und eine Mittagspause in der Innenstadt von Oldenburg verbracht. Insgesamt war es eine sehr spannende erste Praktikumswoche und ich freue mich auf die 1 ½ folgenden.