#39 Overkill Woche 1

LOGBUCH 1 Overkill. Wie man ein Urteil performt.

“Wir notieren zum Beginn DOPPELPUNKT Zeitplan KOMMA Recherche KOMMA Methodensammlung KOMMA Parkplatz auf Packpapier PUNKT

Fragestellung DOPPELPUNKT Wie wollen wir mit Bewegung auf der Bühne arbeiten FRAGEZEICHEN Wir wollen partizipative Bewegungen organisch generieren können PUNKT

Wir beobachten die Entwicklung von der Ent BINDESTRICH zur Reemotionalisierung des Gerichts PUNKT Wir beobachten die vertikale Dimension des körperlichen Urteilens PUNKT

Fragestellung DOPPELPUNKT Welche Elemente braucht es KOMMA um die Macht der Gerichts zu generieren PUNKT Was passiert wenn diese Elemente isoliert an andere Orte verfrachtet werden FRAGEZEICHEN
Fragestellung DOPPELPUNKT In welcher Intensität werden die machterzeugenden Elemente benötigt und wodurch erhalten sie ihre Wirksamkeit FRAGEZEICHEN
Welche Inszenierung brauchen die Elemente KOMMA um in ihrer Macht zu entfalten FRAGEZEICHEN
Stichworte DOPPELPUNKT Rollen KOMMA Auftrag KOMMA Institution KOMMA rituelle Ordnung des Raumes KOMMA Vereinbarung

Ziel DOPPELPUNKT Wir wollen den Gerichtssaal sezieren PUNKT Wir wollen die Raumkomponente wirksam machen PUNKT Wir wollen Bewegungen aus dem Gericht extrahieren KOMMA entfremden KOMMA verarbeiten PUNKT Wir wollen eine Zeichensprache der Bewegungen entwickeln und Urteile performen AUSRUFEZEICHEN

Zitat DOPPELPUNKT ANFÜHRUNGSSTRICHE UNTEN Soziale Praktiken vollziehen sich überwiegend im Modus des Gewohnten und Selbstverständlichen KOMMA die künstlerischen Praktiken des Choreografierens aber dekonstruieren und dekontextualisieren das Gewohnte KOMMA unterwandern das Selbstverständliche und hinterfragen die impliziten Regeln und normativen Verhaltensanforderungen sozialer Praktiken PUNKT ANFÜHRUNGSSTRICHE OBEN ZITAT ENDE FUSSNOTE EINS

Ziel DOPPELPUNKT Konstruktionsmechanismen gezielt dekonstruieren KOMMA um sie auch unterwandern zu können PUNKT

Justitia als Symbolfigur KOMMA Dunkelheit der Augenbinde DOPPELPUNKT Gerichtet wird ohne Ansehen der Person PUNKT

Feldforschung DOPPELPUNKT Besuch im Gericht

Danach stellen wir fest DOPPELPUNKT Es gibt eine allgemeine Übereinkunft über den hierarchisierenden Aufbau eines Gerichtssaals und seine Abläufe PUNKT

Wir beobachten im Gericht DOPPELPUNKT Zeitlosigkeit der Räume versus zeitbezeichnende Elemente KOMMA das Neue im Alten KOMMA die Gewordenheit des Rituals PUNKT Teilung des Raumes in Gerichtssaal und ZuschauerGENDERSTERNCHENinnenraum PUNKT

Wir sind eine implizite Verabredung eingegangen
Wir haben eine Aufführung gesehen
mit AkteurGENDERSTERNCHENinnen und Requisiten
mit Auftritten und Abgängen
mit einem Bühnenbild und Choreographien

Wir halten fest DOPPELPUNKT Nach dem Gerichtsbesuch die dominanten massiven KOMMA mobilen und ephemeren Ebenen der Atmosphäre im Gericht PUNKT Wir zeichnen sie in den Proberaum hinein PUNKT Wir behandeln die Gerichtsverhandlung als Aufführung und übersetzen ihre Körperlichkeiten und Bewegungen in den Proberaum PUNKT
Ritual DOPPELPUNKT Geregelter Kommunikationsablauf mit performativer Wirkung PUNKT

Fragestellung DOPPELPUNKT Wie kann man die Konventionen der rituellen Bewegungen des Gerichts in den Theaterraum übertragen ohne AlsBINDESTRICHobBINDESTRICHBehauptung FRAGEZEICHEN
Wie kann man eine dominante synästhetische Atmosphäre bei einem materialarmen Thema erzeugen FRAGEZEICHEN

Forschungsmethode DOPPELPUNKT Methode der explorativen Teilhabe PUNKT

Selbstversuch DOPPELPUNKT Wir übernehmen willkürlich hierarchisierte VerhaltensBINDESTRICH und Bewegungsregeln in unseren Alltag PUNKT Regel Nummer eins DOPPELPUNKT Bei jedem Aufstehen desGENDERSTERNCHENder RichterGENDERSTERNCHENin erheben sich alle anwesenden Personen PUNKT Der GENDERSTERNCHENdie RichterGENDERSTERNCHENin behält sich vor KOMMA dem Regelkanon weitere Regeln hinzuzufügen PUNKT Die Regeln erhalten ihre Gültigkeit ab sofort PUNKT”


FUSSNOTE EINS DOPPELPUNKT Barthel KOMMA Gitta DOPPELPUNKT Choreografische Praxis DOPPELPUNKT Vermittlung in Tanzkunst und Kultureller Bildung PUNKT Transcript Verlag KOMMA Bielefeld 2017 PUNKT Seite 141