#39 Overkill Woche 3

LOGBUCH 3 Overkill. Wie man ein Urteil performt.

„Wir haben uns von Satzzeichen verabschiedet

Wir notieren zum Ende der Woche drei Wahrnehmung Bewegung Szenographie Sound

Wahrnehmung
Am Anfang war die Wahrnehmung Wir haben wieder einiges wahrgenommen im Gericht mit unseren Sinnen und wollen diese Wahrnehmung vermitteln Unbekannter Raum bleibt im Dunkeln mit gelenkter Imagination frei gestaltbar Zusammen imaginieren wir seine Struktur Wie viele Impulse müssen wir geben und auf wie viele Arten kann der Raum entstehen Wir wollen wenige aber klare Impulse setzen Wir wollen uns in Bezug zueinander und zum Raum setzen Wir wollen Licht einsetzen Wir wollen in eine gemeinsame Bewegung kommen Wir wollen uns zueinander ausrichten Wir wollen uns begrüßen und verabschieden Wir wollen einen Rahmen bauen

Bewegung
Wir haben verschiedene Bewegungsnotationen aus dem Gericht mitgebracht Wir haben sie aneinandergereiht Wir haben Bewegungsfolgen entwickelt um den flüchtigen Bewegungen aus dem Gericht ihren Raum des Theaters zu geben Wir sind einen Schritt zurück gegangen und haben im Kleinen begonnen mit Bewegungen der Blicke mit Bewegungen des Kopfes dann erst mit Bewegungen des ganzen Oberkörpers Wir haben uns mit den Bewegungen der Emotionen beschäftigt Wie weit können sie unseren Theaterraum bestimmen und wie weit können sie sichtbar beziehungsweise wahrnehmbar gemacht werden Dazu haben wir einen Katalog der anwesenden Emotionen angelegt wissen aber noch nicht wozu der uns bewegt Präsenteste Körperlichkeit im Gericht ist Aufstehen und Hinsetzen Reicht es einmal morgens aufzustehen und wie können wir diese gerichtsspezifische Bewegungspraxis in die Theaterpraxis übersetzen ohne einfach nur nachzuahmen

Szenographie
Wir haben uns einen leeren Gerichtssaal angeschaut Details fotografiert gefilmt und gezeichnet Welche Rolle spielt der filzige Teppich das hölzerne Wappen der kugelförmige Kronleuchter oder das silberne Türscharnier Können wir diese Details extrahieren Behalten sie dabei ihre Wirkung oder brauchen sie die Anwesenheit der anderen Wie können wir diese Details in den Theaterraum übertragen als Requisiten als Fotografie als Zeichnung oder als Videobild Und stellt sich dann auch ihre Wirkung im Theaterraum ein Kann die räumliche Atmosphäre eines Gerichtssaals im Theater reproduziert werden oder gilt dort eine andere Verabredung

Sound
Soundscape aus Geräuschen des Gerichtssaals wie zum Beispiel die Türen knallen Durchsagen im Gericht Tippen auf Tastaturen Stühle rutschen über den Boden über groben beigen Bambusteppich Dann wurde sich mit LFOs geprügelt Low Frequency Oscilators Es wurde gefiltert geschnitten arrangiert zusammengesetzt und auseinandergenommen“