#47 woche 4

Thema der Woche: Unmöglichkeit.

Das beinah Unmögliche ist zu Wochenbeginn schon mal vollbracht: Wir befinden uns alle vier in Oldenburg und können direkt miteinander kommunizieren und arbeiten ohne eingefrorenes Bild, abgehackte Worte und die Anzeige „Ihre Internetverbindung ist nicht stabil“.  Zwar wäre es noch viel schöner auch mit unserem Mentoren Veit in 3D zu sprechen, aber da hoffen wir auf die Zukunft.

Obwohl die architektonisch unmögliche Penrose-Treppe in Eschers Bild „Ascending – Descending“ Maskottchen dieser Woche sein sollte, zieht es uns zurück zu den Echsen. Sie geben uns Rätsel auf, zeigen uns erst nach und nach, was alles in und hinter ihnen steckt und in den Diskussionen fallen uns einige Schuppen von den Augen.

Beim Betrachten des Bildes wird unser Blick und damit unsere Aufmerksamkeit gezielt gelenkt. Was wohl herauskäme, wenn man die Augenbewegungen von vielen Betrachtenden erfassen, aufzeichnen und vergleichen würde? Lassen sich Parallelen zur Verbildlichung vom Territorialverhalten von Tieren ziehen? Bringen die Corona-Abstandsregeln uns dazu, unsere soziale Fläche regelmäßig aufzuteilen?

Wir betreiben Echsen-Psychologie.

Ob ich auffalle, ist eine Frage des Hintergrunds. Doch in der Tesselation gibt es keinen Hintergrund. Die Echsen in der Fläche sind Teil der Masse. Mediokrität als Seinszustand, das braucht keinen großen Mut, keinen großen Aufwand. Konstanter Jogginghosen-Zustand. Was bewegt die eine Echse also dazu, aus der Zweidimensionalität in die Dreidimensionalität zu gehen, während alle anderen bleiben? Wie fühlt es sich an, die Jogginghosenbequemlichkeit zu verlassen, ist das aufregend?

Hören die flachen Echsen das Schnauben ihrer abtrünnigen Artgenossin? Haben sie ihr Fehlen überhaupt bemerkt? Was wird sie den Flachechsen erzählen, wenn sie wieder in der Fläche ankommt? Werden sie zuhören? Wird ihr Glaube geschenkt werden?  Fällt es ihr schwer, wieder in die 2D-Jogginghosen-Gesellschaft einzutauchen? Oder wird ein unbequemer Nachgeschmack bleiben?

Unmögliches widerspricht Gesetzen. Gesetzen der Physik, der Biologie. Oder Normen der Gesellschaft, Grenzen der Vorstellungskraft. Escher hat mal gesagt, er fühle sich im Garten der Mathematik allein und unverstanden. Kann man durch Glauben unmögliche Dinge möglich machen? Sind manche Dinge, die für unmöglich erklärt werden, einfach nur unglaublich? Vielleicht gibt es jenseits unserer 3D-Welt noch etwas ganz anderes, dass nur mit unserem Verstand oder Blick auf die Welt schwer zu begreifen ist.

Schwer zu begreifen ist jedenfalls die Struktur unseres Riesenflexagons „Gerhard“, das wir aus 80*80 großen Pappplatten zusammenbauen. Es lässt sich unendlich oft in eine Richtung weiterdrehen und fasziniert uns noch immer. Wir bauen eine Versuchsordnung mit Spiegeln auf, erzeugen Raumillusionen, experimentieren mit Schatten und Blickwinkeln, Gucklöchern und Überblendungen. Außerdem begegnen wir flatternden Dreiecken, die gern in Gruppe unterwegs sind.

Wir greifen Experimente von letzter Woche auf und forschen daran weiter. Eine Art riesige Popup- Karte entsteht, die uns mit neuen Formen und tollen Schatten überrascht. Und auch der Trinkhelm bricht mit den Erwartungen und ruft bei uns viel Vergnügen aus. Das Projekt „Eating Escher“ wird geboren. Das MakingOff rückt näher und damit auch das Ende der Residenz. Die Ideen für Produktionen sprudeln nur so. Eine riesige Holzschnitt-Walze auf der Bühne, Ballett-Synchron-Tanz mit mehreren Magic-Gerhards und eine überdimensionale Guckloch-Spiegel-Konstruktion in Form eines Dodekaeders, bei der das Publikum ins Innere schaut und staunt. Performance in der Shopping-Mall. Nie endende Liebe und an der Decke laufen.