Donnerstag 06.07.

Gineke: Cali und ich versuchen uns ein utopisches Genital vorzustellen.

Cali:  Wie kann ich meinen Körper postgender denken und transformieren?

Gineke: Wie würden wir optimale Lust empfinden, wie anders würden wir anderen Menschen begegnen?

Cali: Zusammen mit Gineke mit Center Shock im Mund Videos zum Thema “Imagine your future genitals gedreht.

Gineke: Es soll eine sinnliche Exploration werden, keine Kopfgeburt. Orale Stimulation durch Center Shocks und Rockpops bringen unsere Speichelfluss in Gang und die Future Genitals zum Sprechen. Was an unseren Körpern gilt als sexuell und was nicht, und warum? Diese Auseinandersetzung entsteht aus der Beschäftigung mit dem Kontrasexuellen Manifest von Paul B. Preciado. Unsere Fragestellung lautet dabei:

Wie können wir eine Genitalfantasie szenisch erlebbar machen?

Cali: Außerdem mit Klarsichtfolie Luftballons an meinem Körper befestigt, und Körper shapes unterm Fell probiert.

Gineke: Das Making-Off rückt näher, wir sind noch tief in unseren Recherchen vergraben und überlegen gleichzeitig in welcher Form wir die chaotische, unfertige Arbeit mit einem Publikum teilen können.

Cali: Adoptionsanzeige geschrieben und dafür Fotos für die Annoncen mit Gineke geschossen.

Nora:

Durch vorangegangene Gespräche über Exo-Skelette und Cyborgs entsteht die Idee einer Exo-Matrix (Exo-Gebährmutter) im Sinne der Post-Female-ScienceFiction. Der Gedanke wird weiter ausformuliert und das Objekt (Trolley mit Tüte und Plüschäffchen) nimmt mit Tanjas Unterstützung Gestalt an. Welche Eigenschaften sind mit diesem Objekt verbunden, um die CisFrau von der alleinigen Gebärfähigkeit zu entbinden? > Ich komme durcheinander, wann ich nun in diesem Fall CisFrau oder biologische Frau sagen kann. Möchte niemanden vor den Kopf stoßen. Bitte um Nachsicht und Feedback. Die Vision: Exo-Matrix für alle! Während des Bauens entstehen fortführende Impulse zur Präsentation des Objekts. Menschen werden zu Wesen. Was erzählt dieses Objekt über Utopien oder Dystopien? In der Medizin bedeutet Dystopie: Das Vorkommen von Organen an ungewöhnlichen Stellen. Die Gebärmutter außerhalb des Körpers scheint mir eine ungewöhnliche Stelle. Die Utopie: Paritätische Fortpflanzung?

Wodurch kann eine Exo-Matrix für alle passend sein? Wie dieses Objekt zum MakingOff präsentieren? Das Objekt ist szenisch (im klassischen Sinne, ich bin auch keine Schauspielerin) schwer zu bespielen. Aber im Sinne des StoryTelling ist eine Art Vortragssituation denkbar. Alles formuliert sich erst einmal in meinem Kopf. Im Anschluss daran mit Tanne zu ihrer Szene gewechselt. Von der Exo-Matrix zum Korb.

Tanja: Korb – Körper – Corpus – Octopus – Mehrarmig – Kreatur – Monster

Nachdem ich mir den Korb meiner Mutter zu eigen machte, seinen Körper und meinen Körper an den Strand nahm, entlarvte mir das Auge der Kamera, dass ich hier an einem ganz anderen Ort sein muss. Die Korbforschung bekommt 8 Arme und kann sich von hier aus in verschiedene Richtungen erstrecken.

Es bleibt jetzt erstmal beim Korb. Das nackte Objekt, besungen mit einem es umrankenden Liedes, welches ich mit dem Akkordeon entwickle nach der Geschichte von Ursula Le Guins „Carrier Bag Fiction“. Der Refrain ist „instead/ replace, cloth | the anthropocene is a carrier bag“ und ich möchte der Geschichte Raum geben und Nachdruck, indem ich das Publikum animiere einen antreibenden Rhythmus dazu zu stampfen.

Freitag 07.07.

Alle: Was zeigen wir zum Making Off? Gineke’s Idee für eine gemeinsame Anfangssequenz auf dem Berg (Tribüne) wird von allen begeistert aufgenommen. Sie gibt uns Textpassagen, die wir übers Wochenende einsprechen werden. Wir bauen eine Struktur für die Präsentation – und versuchen dabei trotzdem weiter im Recherchemodus zu bleiben – nichts muss fertig sein, alles bleibt in Veränderung im Werden und Verwerfens.

Gineke: In poetischen monologen Textformen, recherchiere ich gemeinsam mit Cali nach unbestimmte Körperbildern in der Sprache. In einer Improvisations-Anordnung mit weichem Stoff, Soundscape und Mikrofon inspirieren wir uns gegenseitig zu neuen Texten und neue Sprechweisen und merken dabei, dass das Spiel unsere Körper als spielende/schreibende/arbeitende Personen eine wichtige Rolle einnimmt.

Cali: Mit Gineke an der “Entsexualisierung der Stimme” weiter geforscht und den “Come Closer” Text aufgenommen mit der Loop Station.

Gineke: Dann mit Cali szenisch weiter an den Future Genitals Videoinstallation gearbeitet. Wir forschen nach einem szenisches Format und eine Interaktionsform die unsere improvisiertheit und überforderung auf Zuschauer*innen überbringen kann. Sich offen zu Stellen für Pleasure in zusammensein mit anderen kommt auch vor in der Arbeit an unsere queeren kinship Adoptionsanzeigen. Wir erweitern unseren künstlerischen Output auf Bildmaterial und stellen unsere Körper so in Szene, wie wir uns gerne gemeinschaftlich vulnerable, stark und lustvoll sehen würden.

Cali: Annäherung ans Fell und animalische-kreatürliche Transformation erforscht, Grapefruit- Triptichon und  Kontextualisierung mit dem kontra-sexuellen Manifest textlich festgehalten.

Gineke: Ich bearbeite einige Soundscapes die ich über die letzten Woche kreiert habe neu, so dass Tanja und Nora damit improvisieren können. Alles ist kurzfristig, last-minute, quick and dirty, aber immerhin lebendig und spannend.

Tanja: Wo ist die Kreatur von Alma und Hermine? Wo ist sie in mir? Kann ich sie beleben? Eine Suche nach dem unschönen mit einem Hauch von Rache… Eine Monster-Lust keimt in mir auf. Welch ein Schmach-Lied, welches Tom Lehrer über Alma Mahler verfasste. Gineke baute vor wenigen Tagen eine Hörcollage angelehnt an Hörschnipsel rund um die Fell-Figur von Hermine Moos. Ich nehme sie mit auf die Bühne, begebe mich mit einem Stück Kunstfell in Posen der Puppe, so wie sie von Hermine für ihre Fotos in Szene gesetzt wurde. Mein Körper spannt sich an Muskeln verkrampfen sich und eine Bestie in meinen Gliedern verspürt einen Schmerz, eine Form von Rache, jedes Mal, wenn das Publikum lacht. Mit dem nackten Rücken zum Publikum untersuche ich gemeinsam mit Nora die Kreatur, die sich auf meinem Rücken durch langsame Bewegungen abzeichnet…

Nora: Zu erst mit Tanja an ihrer Körper-Korb-Kreatur gearbeitet. Von außen beschrieben, damit wir gemeinsam dran weiter forschen können. Der Rücken als ein gender-neutraler Teil des Körpers? Verwandlung von einem ins andere und dazu kommt Licht und ein neuer Sound. Danach intensive Beschäftigung mit der Form des Story-Tellings: Gegensätze und Wandlungen: Gegensätze sind Klassiker. Held*innen mit zwei Seiten, die nicht in ihrem Schema bleiben, die etwas tun, was für sie nicht vorgesehen war, faszinieren. Wandlungsprozesse. Wie sieht meine eigene Heldinnen-Geschichte in Bezug zur Entwicklung der Exo-Matrix aus? Diese Gedanken nehme ich mit ins Wochenende.

Samstag 08.07.

Nora schaut. Tanja auf der Bühne.

Tanja: … Die Kreatur verformt sich, nimmt immer mehr Gestalt an. Ein Fell-Wurm-Monster entsteht mit dem Fellfetzen, welches sich langsam den Korb über den Kopf zieht und mit an Butoh angelehnten Schritten in die Welt hinausgeht…

Nora: Mit einem guten Gefühl den Proberaum verlassen und zum Wochenende mit Tanja bei Mu ein Eis gekauft. Ich  schreibe später an dem Exo-Matrix-Vortrag für das MakingOff weiter, darin verwebe ich wichtige Punkte des StoryTellings.  Ich visioniere mich in die Zukunft, schreibe aus dem Jahr 2053 heraus.

Alle: nehmen selbst die Texte auf, die Ginike geschickt hat. Es macht Spaß damit zu arbeiten. Und am Ende des Tages bekommen wir von Ginike eine Nachricht auf Signal: Ihr habt alle richtig nice Aufnahmen gemacht, danke!

Montag 10.07.

Wir haben zusammen die Intro-Berg-Szene mit Ginekes Audiowork geprobt und sind die einzelnen Forschungsstände noch einmal durchgegangen. Ginekes Babyface-Szene haben wir heute zum ersten Mal mit Masken ausprobiert, outside-eye Nora gibt Feedback über Bewegung und Haltung, danach forschen Cali und Gineke weiter an Stimme/Fell mit dem Fokus: Materialeigenheiten des Fells, optische Wirkung, timing. Danach geht Tanne ihre Szene noch einmal musikalisch und bewegungstechisch durch. Und im Anschluss daran verständigen sich Nora und Tanja über den Ablauf der Vortragsituation der Exo-Matrix. Zusammen verabredeten wir Licht/Sound/etc.  für die einzelnen Szenen und wer welche Aufgabe übernimmt. Dann wird der Raum für das Making-Off vorbereitet: Fotodruck + Finalisierung der Adoptionsplakate, Grapefruit Station, Genital Future Station + Center Shocks, Aufbau der Exo-Matrix- Station. Wir bereiten uns vor auf eine chaotische, unfertige aber ehrliche Impro am Abend. Die Zeit verfliegt und dann ist es auch schon 19Uhr und das Publikum betritt unseren Raum, in dem wir vier Wochen lang emotional, körperlich, seelisch, geistig,  gewütet haben, denn:

“We’re female, we’re not female, we pretend to be female, we have to be female, we can be female, we’re made to pretend we’re female, we can’t be female, we fail at being female, we’re stuck at being female, we’ve learned to be female, we’re unlearning to be female, we imagine being female, we imagine not being female, we refuse being female, we redefine female, we used to be female, we’re not performing female, female performs us. What you see us perform right now is unresolved tension.” (Auszug aus Gineke’s Text)

Im Anschluss an jede Szene gibt es Feedback vom Publikum, dass uns durch seine Diversität unterschiedliche Perspektiven auf unseren Recherchestand schenkt.

Dienstag 11.07.

Feedback-Zoom mit dem Flausen+ Team und unserer Mentoring-Person Anne! Danke euch! Danke an theater wrede +. Tschüß. Bis bald!