Logbuch #24 Woche 1

BAKESHOP – THE LOG

Try-out-Videos on Bakeshop-channel:
https://www.youtube.com/channel/UCiETq6c5zUvHm-fh1DkWPlg

Bakerman is baking bread sagabona kunjani wena
bakerman is baking bread
you got to cool down take it easy
you got to cool down relax take it easy

Worum geht es, wenn man sich mit Essen beschäftigt bzw. noch spezifischer mit dessen Zubereitung, dem Backen?

#laeuftbeidir hiess früher „kriegst Du’s gebacken?“. Ohne hashtag.

In einer immer digitaleren Welt, in der man Lebensmittel bald mit Hilfe von RFID-Chips und ganz ohne einen anderen Menschen zu bemühen aus dem Supermarkt schleusen kann, ist backen beinahe ein Anachronismus.

Backen ist eine sehr analoge Beschäftigung. Ein haptischer Weg sich dem riesigen Komplex Nahrungsmittel zu nähern.

Wir haben bereits vor mehr als einem Jahr angefangen mit den ersten Überlegungen zu BACKSHOP. Es sollte um Lebensmittel gehen, um deren Konsum und Herstellung, um die physischen Notwendigkeiten, denen wir bei der Nahrungsaufnahme unterliegen, um den Überfluss auf der einen Seite und den Mangel auf der anderen.

Trotz aller Vorbereitungen oder vielleicht auch deswegen, stehen wir jetzt am Rand der Teigschüssel und gucken auf die riesige, klebrige, blasen werfende Diskursmasse unter uns, in die wir uns gleich stürzen werden.

Backen entschleunigt den Arbeitsprozess, immer wieder gibt es Phasen des Backens, des Aufgehens, des Wartens…ungewohnter Rhythmus, der gleichzeitig beruhigt, manchmal aber auch unruhig macht…man ist doch gewohnt, sich non stop in die Arbeit zu schmeißen…Momente des Nachdenkens, Reflektierens, die Ereignisse “sacken lassen”…

Es werden verschiedene Teigarten ausprobiert. Hefeteig, Knäckebrot, Lebkuchenteig. Kann man mit diesen Teigarten z.B. visuelle Landschaften erzeugen? Was können wir bauen? Was wollen wir bauen? Wieviel wollen wir bauen? Was für eine Beschaffenheit sollte der jeweilige Teig haben? Wir machen ein kritisches Projekt zum Thema Essen, backen aber selber was das Zeug hält, wir verschwenden Lebensmittel, um der Kunst willen. Wie können wir das thematisieren ohne moralisch zu sein? Wie figurativ sollen/können unsere Essens/ Backgebilde sein? Wie konkret wollen wir werden? Oder wollen wir das Essen eher assoziativ benutzen? Um uns über die Materialität eher sinnlichen Erfahrungen zu widmen und daraufhin vielleicht zu Ergebnissen zu kommen, die wir jetzt noch gar nicht denken können?

Zudem müssen wir uns mit realistischen Fragen beschäftigen: Können wir den ganzen Theaterraum mit Backwaren füllen oder nicht? Haben wir überhaupt die Zeit dazu? Schon 3 Knäckebrotbleche zu backen, dauert einen halben Tag. Können wir mit frischem Teig arbeiten ohne dass er anfängt zu schimmeln? Wie können wir Lebensmittel konservieren? Was ist überhaupt mit Mäusen?

Wie dem auch sei, Schürze an! Kochmütze auf! Und mit erhobenem Nudelholz an die Arbeit!

Gedanken 1

Ist Essen eine politische Handlung?
Was ist eine Gabe?
Welche Erfahrungen löst der Vorgang etwas (mit anderen ) zu backen in mir aus?

Gedanken 2

Mika Rottenberg / Dough
Wir schauen das Video von Mika Rottenberg.

Teig kommt aus dem nirgendwo, durchläuft verschiedene Stationen an einem Nicht-Ort. Alle Stationen sind besetzt von Frauen, die den Teig auf verschiedene Arten bearbeiten und weiter geben zur nächsten. Er wird gezogen, portioniert, zum gehen gebracht und abgepackt. Die Frauen sind dick, dünn, älter oder jünger. Sie tragen Uniformen.

Der Teig ist eine amorphe Masse, die einen Zwischenzustand bedeutet. Er ist weder Rohstoff, also Getreide oder Wasser, noch wurde er zu einem fertigen Nahrungsmittel verarbeitet.

Teig ist im Grunde ein zweckfreies Produkt. Nutzlos.

Erst durch das Wissen, das ich über seine Herkunft (Mischung von Mehl, Wasser etc.) und seine potentiale Verwendung habe, wird er zu einem Gegenstand in einem Produktionszyklus und zu einem politischen Gegenstand.

Teig kann Lebensmittel werden.

Gedanken 3

Essen als Ritual

Eine Gemeinschaft kommt zusammen.
Nimmt platz.
Wartet.
Tischt auf.

Frühstück.
Mittag.
Abendbrot.

Vorspeise
Hauptgericht
Dessert.

Im Sitzen, im Stehen, im Gehen.
Nahrungsaufnahme und Energie.
Mund – Magen – Darm.
Alle essen.
Reiche Menschen, heranwachsende Menschen, gefangene Menschen, reisende Menschen, arme Menschen, religiöse Menschen, Nicht Menschen.

Gedanken 4
Politik des Essens.

Du isst deinen Teller nicht auf und die Kinder in Afrika verhungern.
Du isst deinen Teller nicht auf, deswegen scheint morgen nicht die Sonne.
Du isst deinen Teller nicht auf und deshalb hast du morgen noch einmal etwas davon.
Du isst deinen Teller nicht auf und übst damit Protest gegen die Gefängnisleitung.
Du isst deinen Teller nicht auf um dem Koch zu zeigen, dass es dir nicht schmeckt.
Du isst deinen Teller nicht auf und dein Nebenmann kann noch mehr essen.
Du isst deinen Teller nicht auf, weil du nicht weißt wie man das da isst.
Du isst deinen Teller nicht auf und hast ein schlechtes Gewissen.
Du isst deinen Teller auf und bist satt.