Logbuch #25 Woche 2

11/07

FORSCHUNGSFRAGE:

WAS IST POLITISCH?

Wir gehen durch den Raum und sammeln Sätze mit dem Satzbeginn „Politisch ist, wenn….“.

AUDIOMATERIAL: „11_A_politisch ist, wenn_Isi/Caro”

(Kursiv werden Titel von Audio-, Video- und Textmaterial geschrieben, die auf der Festplatte von Christians // Schwenk archiviert werden.)

Voneinander lernen:

Wir lernen von Isi wie sie auf der Bühne das Aufmerksamkeits-Gummiband zu einer*m Bühnenpartner*in halten kann und gleichzeitig jede*r im Publikum das Gefühl gibt, wahrgenommen zu werden.

Wir lernen von Caro wie sie einen Raum betreten und eröffnen kann. Isi erhält eine konkrete Performance-Aufgabe, die sie für 2 Jahre ausführen soll: Beim Betreten des Raumes soll sie erstmal „aha“ sagen.

Vokabular etablieren zu diesen Techniken:

„Batzen“ = Die Zuschauenden als Batzen wahrnehmen, immer den ganzen Batzen

„Schäfchen einzäunen“ = zum Raum eröffnen checke ab wo sind deine Schäfchen, dann zäune sie gleichmäßig und gleichzeitig ein

Fotowoche 2

12/07

FORSCHUNGSFRAGE:

MIT WELCHEN VORERWARTUNGEN KOMMT DAS PUBLIKUM?

Einrichtung: Spot auf Bühne gerichtet, Aufnahmegerät installiert.

Alle sitzen im Publikum. Einzeln geht jede nach vorn und stellt eine Frage ans Publikum die beginnt mit „Glaubst du / Glaubt ihr, dass…“

AUDIOMATERIAL: „12_A_Fragen zu Vor-Erwartungen des Publikums_Caro“

Bist du dir sicher, dass …?

Weißt du, ob/wie/warum …?

Könnte (der das und das tun?/ es sein, dass) …?

Ist dein Husten ein Zeichen/Symptom dafür, dass…?

Hast du erwartet, dass …?

Gehst du davon aus, dass …?

Hast du gedacht, …?

Werde ich/werden wir gleich…?

Kann ich/kannst du …?

Standest du auch schon mal auf der Bühne und wusstest nicht, was du sagen solltest?

Wusstest du, dass …?

Willst du auch mal nach vorne kommen?

Willst du auch mal durch dieses Mikro sprechen?

Welche Dramaturgie bringt das Publikum zum Handeln?

Welche Spielprinzipien? Welche Räume?

Siehe individuelle Notizen. Diese sind geheim, denn der Plan ist, dass jede mit den anderen unangekündigt ihre Idee zur Aktivierung ausprobiert ohne dass die anderen davon wissen. So soll getestet werden, ob die Aktivierungsstrategie funktionieren kann.
BRAINSTORM-CHOREOGRAFIE IN 3 PUNKTEN

Szenische Übung zur Bewegungsmaterial-Generierung. Jede durchläuft drei Stationen im Raum, an denen etwas Bestimmtes ausgeführt werden soll:

Geräusch und Geste zu Schlagwort „Politisch“
Bewegung zu Schlagwort „Makel“
In den Ebenen zum Schlagwort „Publikum“
13/07

BESUCH VON WINFRIED UND MAREIKE

Caro leitet Brainstorming an. Methode: Aus Erinnerungen schöpfen verknüpft mit Assoziationen zu ausgewählten Fragen aus den Sammlungen, die wir bisher erstellt haben. Leider funktionierte das Aufnahmegerät nicht….

Caro stellt ihren eigens für Christians // Schwenk erstellten Aufgabenpool zur Verfügung.

DOKUMENT: „13_D_Aufgaben von Caro_RM+SM“

Wir gehen zum Rugbytraining um herauszufinden, wie die Sporttechnik namens Bodycheck funktioniert.

Abreise Caro.

 

14/07

REFLEXION DER FLAUSENZEIT MIT CAROLIN GERLACH

Reflexion zu der gemeinsamen Zeit mit Caro. Wir stellen fest, es ist nicht gelungen den Tagesablauf einzuhalten. Dazu bräuchte es eine Person die keine Inhalte hineinbringt aber moderiert. Wir wollen mit einem Vorschlagsprinzip arbeiten, bei dem Personen Vorgehensweisen vorgeschlagen werden und gemeinsam entschieden wird.

Es wird außerdem an Produktionsaufgaben gearbeitet.

Wir befragen uns gegenseitig in einem Interview:

VIDEO: „14_V_Reflexion Caro (1)“ und „14_V_Reflexion Caro (2) + Reflexion Interviewsetting”

Gemeinsame Fragen als Leitfragen zu der Probenzeit mit Caro werden zur Weiterarbeit und Dokumentation auf Zetteln festgehalten, zu denen Stichpunkte zu (szenischen) Antworten und weiterführenden Fragen kommen.

Beides wird sortiert und auf die Mammals-Zeichnungen geklebt.

DOKUMENT: „14_D_REFLEXION DER FLAUSENZEIT MIT CARO“

 

15/07

FORSCHUNGSFRAGE:

Wo stehe ich gerade, was will ich machen, wo will ich hin in Bezug auf den Raum für politischen Makel?

Vorhaben: Inhaltliche Konkretisierung des Konzepts Raum für politischen Makel

Reflexion in Eigenarbeit, dann Besprechung mit Nai Wen:

VON WELCHEN RECHERCHERPUNKTEN AUS WERDEN WIR AB JETZT KONKRETER?

MARJA :

  • Form: Vor & Nach der Aufführung, wie treten wir in Kontakt und wie bleiben wir in Kontakt mit dem Publikum?
  • Szenischer Fokus auf Wahrnehmung und Erfahrung anstatt (sprachlicher) Reflexion.
  • Inhaltlicher Fokus: Blinde Flecken aufdecken und soziale, evtl. subversive Verfahrensweisen.
  • Handlungskonsequenzen: Was sind Konsequenzen struktureller Vorteile für mich / für uns? Was heißt konkretes Handeln für mich / für uns?

ISI :

  • Setting schaffen, in dem Leute aktiv werden.
  • Sich und andere wahrnehmen, evtl. gemeinsam Regeln festlegen, Gesellschaft performen.
  • #checkyourprivilege: Am eigenen Körper Privilegien sichtbar machen, z.B. von white beauty standards. Frage-Spiel mit dem Publikum. Blinde Flecke aufdecken.
  • Frage: Welche Konsequenzen fordern strukturelle Vorteile?
  • Idee Live Dokumentation: Publikum dokumentiert, evtl. für Christians // Schwenk für sich selbst.

REFLEXION MAMMALS (AT) MIT NAI WEN

Von welchen Fragen seid ihr ausgegangen?

Sind diese im Stück noch vertreten?

Wenn nicht: Wäre es euch wichtig, dass diese dort in Zukunft sichtbar würden?

In MAMMALS (AT) geht es unter anderem um: (Miß-)Verhältnis von Arbeit und Entlohnung.

Form: Zwischengespräche (statt Nachgespräche) mit den Zuschauenden.

ERKENNTNIS DES TAGES

Marja: Dinge bewusst rauszuschmeißen bedeutet auch, Raum zu öffnen – Weniger ist mehr.

Isi: Darauf zu vertrauen, dass in den Konzepten, die man gemacht hat ganz viel drin steckt worauf man sich zurückbesinnen kann.

SCHLAGWORT DES TAGES: Blinde Flecken.

16/07 FREIER TAG

 

17/07 ANKUNFT GOLSCHAN

Anknüpfung + Reflexion MAMMALS (AT) mit Golschan Ahmad Haschemi

Noch nicht Abgeschlossenes in MAMMALS (AT):

  • Die Themen „Bewusstheit für eigene Privilegien“ und „machtkritisches Handeln“ nicht nur auf diskursiver / mentaler Ebene zu behandeln, sondern hierfür auch (noch mehr) Bewegungen und Aktionen zu finden die diese Themen erfahrbar machen.
  • Mittel erdenken, mit denen das Zettel-Gespräch einladender eröffnet werden kann, der Gesprächsraum deutlich markiert und einladend gestaltet wird.

Überlegenswertes allgemein

  • Deutlicher sichtbar machen, dass die Aktionen und Vorgänge in der Inszenierung präzise choreografiert sind. Das würde den Blick der Rezipient*innen führen und die Aufmerksamkeit steigern.
  • Auf welche Weisen kann die kollektive Arbeitsweise von Christians // Schwenk sichtbar gemacht werden, wie können gemeinsame Arbeitsprozesse nicht nur im Resultat, sondern mit ihren Zwischenschritten sichtbar gemacht werden?
  • Wie kann sichtbar gemacht werden, dass Autor*innen nicht bloß in der Stückentwicklung beteiligt sind, sondern auch an der Weiterentwicklung der generellen Arbeitsweise von Isi und Marja beteiligt sind, zB indem Methoden eingebracht werden, welche die beiden später auch ohne Anleitung anwenden.

Gelungen ist der szenische Perspektivdreher: In einer Szene wird das selbe Thema plötzlich aus einer anderen Perspektive betrachtet.

 

18/07

Wie haben wir bisher mit Golschan gearbeitet?

Visionen für Flausen und für fernere Zukunft?

In bisherigen Proben wurden die Zeiten mit Golschan oft als zu kurz empfunden, es gab keine Zeit von Überlegungen in szenische Arbeit und Überprüfung der Ideen überzugehen. Dies wünschen wir uns für Flausen. In fernerer Zukunft möchten wir beachten, dass Golschan erstens länger und zweitens mehrmals im Probenprozess teilnimmt.

Wochenplan:

+ Einen Handlungs- / Rederaum eröffnen in dem sich das / ein Publikum sicher fühlt.

+ Wie lässt sich das, was bisher in Flausen erarbeitet wurde mit dem verknüpfen was Golschan mitbringt?

+ Privilegien auf der Bühne sichtbar machen und verhandeln – wie geht das?

+ Für Zwischengespräche Raum eröffnen.

+ „Bodycheck zum Mitmachen“ (nicht ausschließlich gedanklich)

+ Prinzipien die von Mikro- auf Makrokosmos verweisen / zoomen

+ #checkyourprivilege: Fragen-Spiel entwickeln, Bühne als Messwerkzeug

+ Wie können an und mit konkreten Körpern Machtverhältinisse aufgezeigt werden

+ Input Cultural Appropriation Golschan

+ Mit welchen Formen und Strategien können wir einen machtkritischen Text auf der Bühne ver- und aushandeln?

INPUT CULTURAL APPROPRIATION GOLSCHAN

+ Golschan stellt ihren Text „Warum Cultural Appropriation unsolidarische Kackscheiße ist“ vor und erzählt wie es dazu kam, dass sie und Juli den Text geschrieben haben.

+ Theorieinput Peggy McIntosh: „White Privilege: Unpacking the Invisible Knapsack“

ERKENNTNISSE DES TAGES

“Race doesn’t exist but race matters »
Reminder: Selbstreflexion ist keine “Exit”-Strategie (Gewahrsein dafür behalten, dass man nicht von außerhalb über Diskurse spricht sondern immer auch selbst Teil des Diskurses ist und diesen perpetuiert.)
Step out of your comfort zone

19/07

Wir benutzend die Methode Aus Erinnerungen schöpfen:

Wir sprechen reihum über Inszenierungen und Inszenierungsmomente, in denen Privilegien sichtbar wurden, in denen Privilegien auf problematische oder interessante Weise sichtbar gemacht wurden.

AUDIO: “PRIVILEGIEN AUF DER BÜHNE SICHTBAR MACHEN – WAS HABE ICH SCHON EINMAL GESEHEN“

INPUT „5 Stages of white Privilege Awareness”

1. Denial, 2. Anger, 3. Bargaining, 4. Depression, 5. Acceptance

Wir erstellen ein Schaubild, in das wir Erfahrungen eintragen können.an und mit denen wir weiter szenisch handeln und arbeiten wollen. Wir überlegen, was auf die Einsicht folgen kann:

Handlungsmöglichkeiten, Gegenbewegung, Konsequenz, konstruktive Transformation und Entwicklung

Golschan verteilt Zettel, auf denen vorteilhaften/ privilegierten Körperteilen stehen, je nach Person unterschiedliche. Jede überlegt sich in Stillarbeit szenische Bearbeitungen dieser Körperteile und präsentiert die kurze Performance den anderen.

VIDEO: „19_V_IMPRO BODYCHECK_golschan“

Evaluation: Zunächst greifen wir alle darauf zurück, die besagten Körperteile zu zeigen. Erst dann schient eine Verhandlung der damit Verknüpften Privilegien möglich. Frage für Weiterarbeit wäre, was nach dem Zeigen und Privilegien szenisch anwenden kommt.

Und wie wir weniger Reproduzieren und mehr Aushandeln und damit das Publikum in die Auseinandersetzung mitreinnehmen.

Wir erstellen zwei Kataloge:

Normierende Anpassungsbewegungen

&

Privilegierten Raum einnehmen

DOKUMENT: „19_D_CHOREOGRAPHIE KATALOG_golschan“

 

20/07

Szenische Übung:

PRIVILEGIEN AUF DER BÜHNE SICHTBAR MACHEN

in Verknüpfung mit

VOM AUFZEIGEN ZUR AUSHANDLUNG

Marja, Isi und Linda suchen sich aus dem Choreographie-Katalog Bewegungen aus, in Stillarbeit bereiten sie jede eine Improviastion vor.

VIDEO: „19_V_IMPRO BODYCHECK u CHOREOKATALOGE_golschan“

Besondere Momente:

Marja dreht ihren Rocksaum in der Taille > Verweis auf Körpermerkmale / Änderung ihres Modus

Isi hebt ihr Hemd und verdeckt ihr Gesicht > durch Dauer der Szene geschieht eine Transformation der Brüste die plötzlich als Augen lesbar werden, mit welchen Isi suchend durch den Raum geht

Linda macht „Männlichkeitschoreografie“ mit nacktem Oberkörper auf Stuhl > Nippelcheck wo er überflüssig wird führt Szene ad absurdum

BEGRIFFSKLÄRUNG

Golschan befragt Isi über ihre Interpretation von Worten, die im Flausen-Bewerbungsschreiben genutzt werden (z.B. Labor, Zwischensein, subversiv ect.). Isi ordnet die Begriffe in einem Schaubild an. Isi stellt unter anderem fest, dass sie sich in einem Zwischensein zwischen Kritik und Alternative verorten würde, dass die Begriffe „Konsequenz“ und „Macht“ (von welchen Machstrukturen profitiere ich?) stets als Reminder präsent sein sollten.

An einem anderen Tag wird Marja die selbe Übung machen.

ERKENNTIS DES TAGES

  • Pausen sollen als Pausen genutzt werden zur Regenerierung
  • 5 Stages-Liste hilft, die eigenen Erkenntnisprozesse bewusster zu begreifen