Bárbara: Diese Woche haben wir uns auf das Gestalten des Bühnenbildes/ der Installation konzentriert. Wir waren sowie auf der Suche nach der unterschiedlichen Materialien, als auch nach dem körperlichen/szenischen Tun des Gestaltens als Teil der Szene/Performance.

Uns sind Ideen klar geworden, wie wir ein Wesen, das sich mit seiner Umgebung verschmilzt, darstellen könnten. Ein Wesen, das seine Zuhause immer erweitert, im Bezug mit Anderen ist. Seine Grenzen so erweitert, dass es nicht mehr nur eine ist, sondern ist auch Andere, ist auch ein Tier und ein Raum gleichzeitig mit mehreren Perspektiven.
Das Beobachten von Tieren am Tierpark und den Versuch nach Kontakt hat uns auch ermöglicht oder zumindest versuchen unsere Perspektive zu wechseln auch wenn nur imaginär.

Am Ende der Woche machten wir eine Installation in der Stadt mit dem Ziel verschiedene Meinung um das Thema Zuhause zu sammeln. Wir haben rund um einen leeren Brunnen Fragen geschrieben und mit ein Paar Materialien den Brunnen gestaltet. Wir haben einen Platz zum Austausch geschafft, in dem wir tatsächlich mehrere Leute angesprochen haben.Die gesammelte Geschichten wollen wir auch als Teil unsere Nester bauen.

Felipe: Unter verschiedenen Interpretationen von Zuhause – der architektonischen, der körperlichen, der kosmologischen, der hinsichtlich angenehmer Erinnerungen – scheint eine wohltuende Stabilität gemein zu sein, die in der poetischen Arbeit als Improvisationsregeln gelten kann. Das Flüchtige verlangt eine gewisse Kompetenz, bestimmte Regel je nach Situation zu verändern, um eine gefährdeten Konstellation in eine noch (nicht) Imaginierbare zu verwandeln. Diese Kompetenz besteht in der Synthese virtueller Konstellationen und in der Empfindsamkeit ihrer Resonanzen. Dies zeigt sich in unserem jeweiligen technischen Gedächtnis und unserem Zusammenspiel.

In einer medizinisch und biologiewissenschaftlich geprägten Welt ist es schwierig vorzustellen, dass das Ich nicht dem Körper (bzw. dem Anthropos) innewohnt. Wir versuchen dieses Zuhause auszudehnen, bis es zerreißt, besser gesagt, bis es außer sich gerät.

Eine Stimmübung war in dem Sinne für mich besonders aufschlussreich. Eine Person beginnt mit einem Ton, Lied, Geräusch, Text o.Ä., den sie in einem Atemzug ausdrückt. Wenn sie nicht mehr weiter machen kann, soll eine andere Person diese Stimmlichkeit übernehmen, ohne dass eine Lücke im Klang oder Stil entsteht, und nur dann eine Variation Raum geben. Die Konsequenz ist es, dass um eine Stimme einer Person Kontinuität zu ermöglichen, all die anderen ihre Körperhaltung und -bewegung insbesondere Atmung gemäß der sprechenden bzw. singende Person anpassen brauchen. Eine ungewöhnliche Stimme geht mir lautlos und doch körperlich durch. Die Frage, welches Subjekt spricht denn durch meinen rechtspersönlichen Körper, ist einem affektiven Arbeitsrahmen wenig adäquat. Vielmehr wird ein Körper flüchtiges Zuhause anderer vorübergehenden Subjektivitäten.

Olga: Schaffung eine parallele Ordnung, nicht vorher vorstellbaren Realität innerhalb, außerhalb und an dem Rand des eigenen Nestes.
Dieser Faden war für mich seit der ersten Woche in unserer Forschung präsent und bedeutend. Wie schaffe ich eine neue Ordnung, ein neues Verständnis von etwas das ich kennen und erkennen glaube ohne dabei mein eigenes Nest zu zerstören?

Wie jede*r habe ich in meinem Leben verschiedenen Strukturen erlebt, und wenn ich sie wieder begegne oder in sozialen Situationen wiedererkenne, fühle ich mich physisch und damit psychisch gefangen… Gleichzeitig frage ich mich warum diese Wiedererkennbarkeit mir ein Gefühl von Stabilität gibt? Vielleicht gibt es in unseren gewöhnlichen Nesten es eine gewisse Routine, vertraute Rituale, die wir jeden Tag ausführen? Diese Wiederholungen und soziale Begegnungen prägen unserer Vorstellung von der Welt? Wenn aber andere Weltordnung mit unserer kollidiert, die Außenwelt sich von unserem “Zuhause” unterscheidet, ist unser Zuhause gefährdet, es entstehen Risse und Grenzen gehen verloren. Wie können wir seine Form beibehalten? ********************************************************************************************************
Nachdem wir das Verhältnis von Tieren im Tiergarten beobachten haben, habe ich vorgeschlagen ein anderes Wahrnehmungsmuster sich vorzustellen und körperlich ausprobieren. Dafür haben wir die Beschreibung von Sinnenskraften unterschiedlicher Tieren und Insekten als Beispiel genommen: Die Augen des Chamäleons können sich unabhängig voneinander bewegen. Daher kann es gleichzeitig in zwei verschiedene Richtungen sehen oder mit den Beinen hören; Schallwellen lassen eine dünne Membran an den Vorderbeinen der Grille vibrieren; Der gesamte Körper ist mit Chemorezeptoren (Geschmacksrezeptoren) ausgestattet…

Bei dieser Übung stellte ich meine Vorstellung immer wieder in Frage und auf dem Kopf. Diese Improvisation wurde für mich zu einem Spiel, ich fragte mich immer wieder, warum ich dieses oder jenes dachte, vielleicht war es auch umgekehrt? Dies führte zu neuen Bewegungen, Gedanken und einigen interessanten Ideen.

Am Donnerstag arbeiteten wir mit der Idee von getrennt zu sein und gleichzeitig voneinander abhängig zu bleiben. Die Übung mit dem Atem bestand darin, den Raum mit einer konstanten Klangpräsenz zu halten: Jede*r musste so lange singen, bis er oder sie den Atem hatte, und dann musste der andere bereit sein, den Klang zu übernehmen. Der Raum musste also immer erklingen. Für mich gab es Momente, in denen ich das Gefühl bekam, mein Körper verschmolz mit dem Raum und dem Klang, den ich behalten musste. Diese und andere Improvisationen beim Nestbau warfen für mich eine Frage der Dominanz des Raumes auf: Der kann auch so dominant sein, dass wir ihm dienen müssen, aber gleichzeitig hängt der Raum von uns ab. Ich fand diese Gedanke aus einer spielerischen und Bühnenbildliche Perspektive zum weiteren Nachdenken interessant.

THIS PLACE IS FOR SHARING

Ich habe diesen Satz in einem Café entdeckt und fand, dass den gut zu unserer Idee passte, draußen ein Zelt aufzubauen und mit Menschen in Kontakt zu kommen und die Stadt kennenzulernen.

Wir suchten uns einen Ort, wo wir sichtbar waren und luden Passanten dazu ein, unsere Fragen zu beantworten: Was ist ein Zuhause? Fühlst du dich zuhause? Inwieweit würdest du dein Zuhause mit anderen teilen? Es war ein Angebot zum Austausch. Der Prozess wirkte positiv auf mich: Es war schön sehr unterschiedliche Meinungen zu hören und Menschen kennenlernen. Ich würde diesen Konzept des freien Austauschs gerne weiterentwickeln bzw. weiterdenken.

Diana: Bárbara, Olga, and I decorated a dry fountain that looked like a boat with cloth and wooden branches, some of the materials they have been using to build their nests. We surrounded it with cardboards with written questions and magic markers for anyone who would like to approach us to either talk to us or write an answer to any of the questions.

The boat makes me think of utopias as a literary genre, which is based on travelers’ narratives of a utopian island they visited, which serves to ignite the imagination and inspire changes in society. The place of sharing that we opened up at the fountain, open for people to speak about home (or anything they wanted really) in the public space is an enactment of the kind of relations envisioned in these utopias.

When Olga proposed that we get together to do this activity in a feminine space, I told her that the fact that we were women wouldn’t guarantee a feminine space, but that it might help. In the end, the feminine was in the openness of the proposal, we didn’t have to approach people but waited for them to come to us and let them take the initiative as to whether to try to answer any question or just talk about anything they wanted to talk, as we listened to the symptoms of the ills of our society.

Here is a recording of a part of our conversation with Olie, a passer-by:

 

Here are the questions that we asked:

-Do you feel at home?
-What do you do in order to feel at home?
-How do you create a home?
-Can the public space/public sphere be a home?
-To what extent would you share your home with another? -What and where is home?
-For whom is Germany a home?
-Can we speak about all subject matters at home?

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“A “we” who could learn to “make a fuss,” capable of transforming what begins as personal disarray or plaintive nostalgia into a strength?[…] Beyond the differences, it is perhaps the connection between the struggle against this amnesia and the capacity to resist, to think against the consensus, that traces a continuity between Woolf and those women today who say “not in our name.” In Women who make a fuss, the unfaithful daughters of Virginia Woolf by Isabelle Stengers and Vincianne Despret

“Every living thing has a role in the ecosystem and its own destiny to fulfill- even things we can’t see, don’t like, or don’t understand”
-Judy Hatcher in Emergent Strategy, Shaping Change, Changing Worlds by adrienne maree brown