Logbuch #20 – Woche 2

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VIOLENT CONTACT

Was wir so nannten, weil wir Contact Gesten der Gewalt aufsetzten, aufpropften, die Gesten verlangsamten, slow motion, zugleich Sorge hatten, was inwiefern die dies – die Berührungsart des Contacts – zu einer Ästhetisierung der Gewalt führt und was das dann bedeutet, standen wir wenige Stunden später im Kampfsportstudio Wing Tsung und ließen uns in einem zweistündigen Probetraining die Prinzipien und Philosophie der Selbstverteidigung erklären. Eine Selbstverteidigung, die dann einsetzt, wenn alle Regeln aufgehoben sind, wenn es keinen Ring mehr gibt, keine Verabredungen, sondern nur noch die Straße. Die Straße, auf der nicht mehr zu erkennen ist, was der Andere vor hat. Ist das jemals bei der Polizei zu erkennen? Wie, so lautet vielleicht die wichtigste Frage des Wing Tsung sich vom Anderen her denken? Wie entsteht Plötzlichkeit, jenes “sudden” von dem Mark Greif in seinem Essay Seeing Through The Police schreibt, dass sich aber bei genauerem Hinsehen enttarnt als fokussierte, anvisierte Bewegung, die man bei genauer Beobachtung sehen könnte. Aber gibt es Zeit für genaue Beobachtung? Nein sagt unser Lehrmeister: Auf der Straße oder auch nur im Ernstfall ist etwas entscheidend über das wir so verwundert wie überrascht sind: CONTACT.

“Die Polizei kann sanft und liebenswürdig sein. Sie bleibt aber deswegen nicht weniger das Gegenteil der Politik”. (Rancière)

Wie verhält es sich hier mit dieser spezifischen Zärtlichkeit, die Suche nach Kontakt, den ich brauche, um schneller als mein sehendes Gehirn begreifen zu können, was der Andere mir entgegen bringen wird? Körperlicher Kontakt, der zulässt zu reagieren, bevor jemand handelt.

Zuvor hatten wir daran gearbeitet, wie sich unsere Bewegung, unser Kontakt verändert, wenn sich die Bewegung in den Körper einschreibt, wenn es nicht nur Contact ist, sondern die Polizei, die ihr Gesetz auf deinen Körper, auf unsere Körper schreibt, jene beinahe unsichtbare Verabredung, die wir miteinander haben, jene Verabredung, die der Polizei erlaubt auf Körper zuzugreifen. Was heißt es nun das Wissen vom Wing Tsung in unsere Probenanordnung zu übertragen? Und was passiert, wenn wir uns auch noch jenen Momenten bewusst sind, die wir in unseren ersten Versuchen des Taekwondo gemacht haben – was erfahren, diese Körper, wenn sich ein Tritt auf ihnen verteilt.

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Ta-Nehisi Coates

Staat als Befugnis deinen Körper zu zerstören

Fallen und Wiederaufstehen

Rituale, Codes & Prinzipien, die die Verwundbarkeit des Körpers bezeugen

damit betraut, meinen Körper zu schützen

extreme Zeitlupe

wo Körper von einer störrischen Schwerkraft versklavt werden

dynamisch, brutal, wohlhabend, manchmal alles auf einmal

Ich könnte Sie verhaften lassen! Mit anderen Worten Ich könnte Ihnen Ihren Körper wegnehmen

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maintain a spatial order

CHOREOGRAPHIE: organisation of movement in time and space

POLICE ARE DIFFERENT THINGS TO DIFFERENT PEOPLE

CHOREOGRAPHIE ALS GEMEINSCHAFTLICHE / GESELLSCHAFTLICHE PRAXIS

TASK FOR THE AUDIENCE

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a surprise of being around police is how much they touch you

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the purpose of touching

(by police)

is to make persons touchable

touch readies more touch

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press lightly on someones collarbone

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measuring out the distance with your arms

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the unspoken rule is: touch must not be returned

maintain a spatial order

make things visible

strain for a greater silence

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test what violence we – as audience – will allow, and against whom

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batons and gloves extend the field of touch – insulating you from the brutality that their arms  and hands will do

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the final task is punching, beating or kicking

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