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Arbeitstagebuch: „Wo genau liegt nochmal Togo?”

Woche 2

„Man muss wissen und sehen, und man muss sehen und wissen. Beides ist nicht voneinander zu trennen.“ (Claude Lanzmann)

Wir begeben uns auf die Spuren des Kolonialismus in Oldenburg. Wir versuchen diese Spuren zu deuten und zu verfolgen. Wir suchen die Kluft, zwischen dem, was in der Vergangenheit geschah und dem, was wir heute davon sehen. Wir suchen vergeblich nach Erinnerungen; was wir finden sind Orte, die ihre Vergangenheit verbergen. Wir treffen leere Wiesen, stumme Monumente, Gärten, die Afrika sein wollen. Wir sind permanent zurückgeworfen auf unsere Imagination vom Ende der Spur. Was wir finden sind amnestische Orte. Wir finden uns in einer Gegenwart, die nichts markiert, nichts kontextualisiert. Was bleibt ist eine permanente Differenz zwischen dem, was wir sehen und dem, was wir erinnern wollen. Wir denken darüber nach, wie wir mit unserem Spürsinn Orte ohne Gedächtnis zum erinnern bringen können.

Mittwoch, 12.06.2013 – 14:02
24° leicht bewölkt.
Ort: Oldenburg/Bismarckstraße
Von  der Innenstadt her kommend. Linker Hand. Kleine Seitenstraße. Wenig befahren. Sehr grün bewachsen. Kleine Grünflächen vor den Häusern. Häuser befinden sich nicht direkt am Bürgersteig, sondern sind etwas nach hinten versetzt. Viele Bäume und Buschwerk. Rhodondendron scheint besonders bliebt. Alle einsehbaren Häuser auf der rechten Seite verfügen über Erker, Balkone und Wintergärten. Alle Häuser sind zum Himmel hin von deutschen Giebeldächern abgeschlossen.

Mittwoch, 12.06.201 – 14:38
24° bedeckt.
Ort: Oldenburg/Dobbenwiese
Die Dobbenwiese ist viereckig aber nicht quadratisch. Die Seite zur Straße hin ist durch Bäume von eben dieser abgegrenzt. Auf dieser Linie sind drei Mülleimer verteilt. Gegenüberliegende Seite ordentlich gestutzte Hecke. Etwa Hüfthoch (meine Hüfte). Dazwischen vier Durchgänge unterschiedlicher Größe. Auch auf dieser Linie: drei Mülleimer.
Die von mir aus gesehen rechte Seite weist die gleiche Heckenstruktur auf. Nur sind die Zwischenräume, die als Ein- und Ausgänge der Wiese dienen, wesentlich kleiner. Hinter der Hecke: Bäume. Auch diese Umrandung ist von drei Metall-Müllbehältern markiert. Bei der von benannten Randmarkierungen umzogenen Wiese handelt es sich um eine grüne Rasenfläche. Kurz geschnitten. Auf ca. 5 cm Länge. Bei Ankunft ein Mensch anwesend – wahrscheinlich männlich. Liegend. Die im Laufe der Beobachtung auftretenden Personen führen entweder Hunde, Bälle oder beides mit sich. Separat auftretende Personengruppen gehen nicht direkt aufeinander zu. Sie lassen zunächst den der eigenen Gruppe zugehörigen Hund von der Leine um ihn auf den ebenfalls frei laufenden Hund der anderen Gruppe zurennen zu lassen. Vermutlich ein Zeichen der Freundschaft.

Mittwoch, 12.06.2013 – 16:03
23° Bedeckt. Windig. Vereinzelt Regen.
Ort: Oldenburg/Ofener Straße.
Gelände versteckt. Über Trampelpfad begehbar. Parkähnliche Anlage: Bäume. Büsche. Ein größeres    Gebäude linker Hand. „Ehrenhalle für die gefallenen Oldenburger Artilleristen“. Auf der rechten Seite in einer Art Beet: Vier Steine mit Inschriften oder geprägten Metallplatten. Der Stein von Interesse ist dem Weg am nächsten positioniert. Er ist rotbraun. Kniehoch. Er trägt Anzeichen von Verwitterung. Inschrift scheint zunächst schwierig zu lesen, ist aber bei genauerer Betrachtung eindeutig zu entziffern.

Kannonier Kleen
Gestorben am Typhus
zu Lüderitzbucht
am 24.3.1906
Im südwestafrikanischen
Feldzuge